Teil 1: Praxisorientierte Unternehmensbewertung mithilfe der Discounted-Cashflow-Methode.

Was ist das Ziel dieser Beitragsreihe? Was können Sie erwarten?

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Was sollten Sie nicht erwarten?

Diese Beitragsreihe wird Sie an die Hand nehmen und Ihnen von Grund auf eines der meist genutzten, praxiserprobten Unternehmensbewertungsverfahren, das DCF (Discounted-Cashflow Verfahren) erklären und beibringen. Dieses Unternehmensbewertungsverfahren wird u. a. bei den größten Unternehmensberatungen wie McKinsey, BCG, A. T. Kearney usw. seit Jahren erfolgreich eingesetzt.

Am Ende dieser Beitragsreihe werden Sie in der Lage sein selbstständig eine Unternehmensbewertung durchführen zu können. Sie werden Wissen auf zu achten ist, und wie Sie gravierende Fehler vermeiden können. Sie werden des Weiteren lernen welche Positiven aber auch welche negativen Eigenschaften das DCF-Verfahren mit sich bringt.

Wenn Sie bisher Ihre Unternehmen mithilfe eines „dicken“ Daumens bewertet haben, so kann ich Ihnen versprechen, Sie am Ende dieser Beitragsreihe selbstständig imstande sein, eine umfangreiche Unternehmensbewertungen durchzuführen. Jedoch heißt es auch hier wie eigentlich überall, dass man niemals ausgelernt hat, J.

Um jedoch ein Unternehmen auf höchstem Professionellem Niveau bewerten zu können, ist neben den Instrumenten (welche ich Ihnen hier mitgeben möchte) weiterführende Literatur sowie einiges an Erfahrung notwendig.

Die gesamte Beitragsreihe habe ich grob in folgende Kapitel unterteilt:

  •     Grundlagen der Unternehmensbewertung
  •     Das DCF-Verfahren
  •     Resumeé des DCF-Verfahren.

(Änderungen im Laufe der Beitragsveröffentlichungen sind vorbehalten)

Es empfiehlt sich die Beitragsreihen nacheinander durch zu arbeiten, um Frustration zu vermeiden, da doch recht tief in die Materie eingestiegen wird.

Beginnen möchte ich nun mit den Grundlagen der Unternehmensbewertung:

Unternehmensbewertung was ist das?

Bevor wir jedoch nun richtig loslegen mit der Bewertung von Unternehmen sollten wir erst einmal einige Grundlagen festlegen. (Also die Begrifflichkeiten und die grundlegenden Strukturen klären)

Als Bewertung (von Unternehmen oder Unternehmensteilen) bezeichnet man i. d. R. die Zuordnung eines finanziellen Wertes zu einem festgelegten Bewertungsobjekt durch ein Bewertungssubjekt. Einfacher ausgedrückt; eine Person, das Bewertungssubjekt, bewertet das Unternehmen (das Bewertungsobjekt).

Jedoch ist die Bewertung nicht ausschließlich auf ein Unternehmen beschränkt, so kann auch unter gewissen Umständen ein abgegrenzter Teil eines Unternehmens bewertet werden. Dies ist dann in der Regel der Fall, wenn ein Unternehmensteil verkauft werden soll, der Wert jedoch noch nicht bekannt und somit festgelegt werden muss.

Jedoch was bedeutet denn eigentlich Bewerten?

Im Grunde ist diese Frage doch recht leicht zu beantworten. Bewerten bedeutet nichts anders als Vergleichen. In unserem Fall, bei der Bewertung von Unternehmen oder Unternehmensteilen, wird das Bewertungsobjekt mit einem Vergleichsobjekt verglichen, um somit den Wert des Bewertungsobjektes festzulegen. Warum dies so ist und wieso man nicht einfach aus dem nichts heraus, also ohne Vergleichsobjekt bewerten kann, werden wir im Laufe dieser Beitragsreihe noch deutlich sehen.

Aber warum ist es denn überhaupt notwendig, ein Unternehmen zu bewerten?

Die Antwort auf diese Frage ist recht vielfältig. So könnte ein Anlass für eine Unternehmensbewertung die Nachfolgeregelung, das Ausscheiden eines Gesellschafters, eine Kapitalerhöhung, der Börsengang eines Unternehmens (IPO), die Fusion von Unternehmen (Ermittlung der Umtauschverhältnisse von Anteilen), Squeez-Out-Verfahren oder aber die Bestimmung des „inneren“ Wertes einer Aktie (was für alle Börsenfreunde vermutlich der Hauptgrund sein wird, warum sie diesen Beitrag überhaupt lesen, J), usw.

Der Wert? Was ist das und wie lässt sich ein Wert bestimmen?

Zuerst möchte ich Ihnen jedoch folgende Frage stellen:

Was würden Sie aktuell, in Ihrer jetzigen Situation, für eine Flasche Wasser bezahlen?

Denken Sie erst einmal nach, bevor Sie nun weiter lesen.

Vielleicht 4 Cent, 20 Cent oder sogar 1 € oder etwa gar nichts?

Stellen Sie sich nun jedoch einmal vor, Sie sind inmitten einer Wüste, der Sahara, Hunderte Kilometer weit nichts als Steine und Sand, keine Menschenseele, nichts …

Kein Oase in Sicht, vor Ihnen liegen die Gebeine einer, vermutlich vor Jahrzehnten, verendeten Kuh. Ihr Mund ist trocken, die Sonne brennt.

Sie verdursten, oder Sterben an einem Hitzschlag. Ohne Zweifel würden Sie nun vielleicht noch 24 – 36 Stunden überleben. Die Rettung könnte eine Flasche Wasser sein 😉 .

Was würden Sie nun für eine einfache Flasche Wasser (1 Liter) bezahlen?

50€, 100€, 1000€, alles was Sie besitzen (Haus, Auto, usw.)?

Sie sehen, der Wert ist immer relativ zu sehen, er ist also situations- und subjektabhängig.

Wir können also festhalten, aus dem Wert, den ein Mensch einem Gut zukommen lässt, lässt sich dessen Zahlungsbereitschaft ableiten.

Jedoch muss der endgültige Preis der für ein bestimmtes Objekt (Gut) festgelegt wird nicht unbedingt dem Wert dessen entsprechen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass der Preis das Ergebnis des Marktes ist, der Wert jedoch subjektiv und unabhängig von dem Markt.

Ein Beispiel ist hier z. B. das Gemälde der Mona Lisa. Der Wert ist zu hoch um ihn überhaupt messen zu können, der Preis hingegen ist abhängig von dem Markt und somit von dem höchst Bietenden (z.B. 10 Mrd. €)

Sehr gut beschreibt dieser Zusammenhang das folgende Sprichwort:

„Value is what you get, price is what you pay“

Jeder Value Investor sollte sich diesen Spruch als Poster an die Wand hängen, denn er beschreibt die Thematik mehr als passend.

Da wir nun den Wert-Begriff geklärt hätten, will ich nun zu guter Letzt auf den Preis zu sprechen kommen.

Wie bereits weiter oben beschrieben, bildet sich der Preis am Markt zwischen dem Käufer und dem Verkäufer. Dabei hat jeder der beiden Parteien eine bestimmte „Schmerzgrenze“ was den Preis angeht.

Der Käufer wird ausschließlich bis zu einem Maximalpreis bereit sein, das Objekt (Unternehmen, eine Flasche Wasser, …) zu erwerben.

Der Verkäufer hingegen wird eine Minimalgrenze besitzen zu welchem er das Objekt verkaufen wird. Wenn sich die Grenzen von Käufer und Verkäufer treffen oder überschneiden, bildet sich ein Einigungsbereich. So wären Sie aktuell in ihrer jetzigen Situation bereit einem Verkäufer 1 Liter Wasser für maximal 1€ abzukaufen. Der Verkäufer hingegen wäre bereit Ihnen die Flasche Wasser für 0,5€ zu verkaufen (Minimalpreis). Der Einigungsbereich liegt somit zwischen 0,5€ und 1€, der endgültige Preis könnte also z.B. 0,6 € betragen.

Nochmals ist jedoch zu sagen, dass dieser Preis jedoch nicht dem Wert des Gutes entsprechen muss. So hätte es auch sein können, dass Ihnen die Flasche gerne 20€ Wert gewesen wäre, Sie jedoch nur 1€ bei sich hatten, um sie zu kaufen.

Wie geht es weiter?

In dem nächsten Teil dieser Beitragsreihe werde ich auf die verschiedenen Verfahren eingehen, welche es zur Bewertung eines Unternehmens gibt.

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